Juso-Bundesvorsitzende auf dem roten Sofa

Ortsverein

Frauentag Uekermann

„Wahnsinnig interessant“ fand die Langquaider SPD-Vorsitzende Kirsten Reiter in ihrem Schlusswort die über 100 Minuten dauernde Gesprächsrunde auf der„roten Couch“ mit der Bundesvorsitzenden der Jungsozialisten Johanna Uekermann. Der gleichen Meinung waren die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltung im Restaurant „Top Four“, zu der anlässlich des Internationalen Frauentages die beiden SPD-Ortsvereine Schierling und Langquaid sowie die AsF Langquaid eingeladen hatten. Denn die 28 Lenze zählende SPD-Politikerin gab in dem von Madlen Melzer und Kirsten Reiter moderierten Gespräch nicht nur einen tiefen Einblick in ihre inhaltlichen Vorstellungen einer SPD-Politik für morgen, sondern auch in ihre sozialdemokratische Wertebasis. Johanna Uekermann vermittelt einen Politik-Typ, dem es bei allen von der Vernunft geleiteten Diskussionen über politische Inhalte vor allem aufs Herz ankommt. Vielleicht sieht sie frei nach dem „Kleinen Prinzen“ die Probleme  in der Gesellschaft und in der Welt mit dem Herzen besonders gut. Ihre bundesweit beachtete Kontroverse mit Vizekanzler Sigmar Gabriel wurde so logischerweise zur Randnotiz und spielte nicht die geringste Rolle. Der Blick auf die drängenden politischen Fragen und die betroffenen Menschen ließ eine solche Ablenkung nicht zu.

Markträtin Madlen Melzer hatte die Gäste begrüßt und ihnen Johanna Uekermann vorgestellt. „Diva, Biest oder Zicke?“, war ihre Eingangsfrage nach der Selbsteinschätzung an die Juso-Bundesvorsitzende. Mit der Diva konnte Johanna Uekermann am wenigsten anfangen; aber die beiden anderen Attribute wollte sie nicht ganz ausschließen. Denn schließlich kommt man in der Politik als „braves Mädchen“ nicht weit, aber als „böses Mädchen überall hin“.  Die Frauenpolitik war der erste thematische Schwerpunkt. Die junge Frauenpolitikerin warnte davor, die dieses Thema als Anhängsel der Familienpolitik zu sehen, wie es die CSU noch immer tue. Die Altersarmut sei vor allem weiblich, die Lohnungleichheit zwischen Männern und Frauen sei immer noch ein akutes Problem und die Gewalt gegen Frauen sei eine offene Wunde auch in der deutschen Gesellschaft. Scharf kritisierte die Juso-Vorsitzende die Altersdiskriminierung der jungen Generation im Jugend- und Sozialrecht. Vehement forderte sie die Abschaffung der unbegründet befristeten Arbeitsverträge für junge Berufsanfänger und den „Verschiebebahnhof der Leiharbeit, Werkverträge und Praktika bzw. die Ausnahmen vom Mindestlohn.

Große Koalition? Na ja!

Ihre Skepsis von Anfang an gegenüber der großen Koalition hat die Juso-Bundesvorsitzende auch nach über zwei Jahren nicht abgelegt. Zwar sieht sie vor allem die sozialdemokratischen Ministerinnen Andrea Nahles, Manuela Schwesig und Barbara Hendricks als Motor der Koalition mit wichtigen Erfolgen beim Mindestlohn, der Rente ab 63, der Frauenquote in Vorständen und im sozialen Wohnungsbau. Erwartete Verbesserungen für die junge Generation seien aber weitgehend ausgeblieben und einen Teil blockiere die CSU nach wie vor. Das gelte zum Beispiel für das geplante Entgeltgleichheitsgesetz und für die Lebensleistungsrente für Niedrig-Rentenbezieher sowie die Investitionen in den Bildungsbereich.  Mehr Geld müsse auch in die Hand genommen werden beim Ausbau der Kita-Plätze, bei der Bezahlung des Personals im Vorschulbereich, bei der Ausbildung und bei der Schaffung von mehr bezahlten Praktikantenstellen. Ganz entschieden unterstützte Johanna Uekermann die Forderung des SPD-Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel nach einem Solidarpakt für alle, Einheimische wie Migranten. Uekermann: „Nicht die Flüchtlinge sind Schuld am Sozialabbau. Wir müssen mehr sozialen Wohlstand für alle schaffen.“

Nein zum Asylverschärfungspaket Zwei

Ein klares Nein der Juso-Bundesvorsitzenden gab es zum erst vor kurzem verabschiedeten neuen Asylverschärfungspaket. Die Blockade des Familiennachzuges sei beschämend, ebenso, dass die SPD sich von der CSU vor sich hertreiben lasse und für ihr Entgegenkommen rein gar nichts erhalte. Natürlich betonte Johanna Uekermann, dass es keinen einfachen Lösungen gebe. Aber am Anfang müsse die Frage stehen: Was brauchen die Menschen, die bei uns Schutz suchen und zu uns fliehen? Ihre Antwort: „Wir brauchen statt Asylpaketen Integrationspakete. Wer dabei an der schwarzen Null festhält, der macht sich schuldig, wenn es mit der Integration nicht läuft.“  Die Kommunen und sozialen Träger bräuchten wesentlich mehr Geld für die Unterbringung, Integrationskurse und Förderung. In jeder Gemeinde sei eine Koordinierung der Ehrenamtlichen notwendig. Deutschland und Europa trügen erhebliche Mitverantwortung an der Millionen-starken Flüchtlingsbewegung aus dem Nahen Osten und von Afrika, unter anderem durch die Waffenexporte und die verheerende Agrarpolitik. Ihre katastrophale Europapolitik mit der Massenarbeitslosigkeit bei Jugendlichen im südlichen Europa als Folge. Trotz dieser Kritik sieht Johanna Uekermann nur auf europäischer Ebene eine Lösungsmöglichkeit.

Vom Vorsitzenden der Juso-Arbeitsgemeinschaft Deuerling, Sebastian Schmidmeier, nach den Chancen einer Werbung junger Leute für die Jusos zeigte sich die Bundesvorsitzende durchaus zuversichtlich. Immerhin sei die absolute Zahl der SPD-Mitglieder im Juso-Alter, d.h. unter 35 Jahren, im Gegensatz zum Parteitrend seit vielen Jahren konstant bei knapp 50.000. Die Hälfte aller Neueintritte in die SPD seien junge Menschen unter 35 Jahren, leider aber auch ein Drittel aller Austritte. Einer der Gründe sei, dass die jungen Mitglieder sich nicht in die Ortsvereinsarbeit und Diskussion einbringen könnten. Die Jusos hätten dafür ein ganzes Maßnahmenbündel entwickelt. Ihr eigenes Engagement führte Johanna auf ihr Elternhaus zurück. Und da hatten Johanna und Sebastian eine große Gemeinsamkeit: Bei beiden hatten schon die sozialdemokratischen Opas eine wichtige Rolle gespielt, gefolgt vom Engagement ihrer Väter für die SPD und der Unterstützung durch die Omas und Mamas.

 
 

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