"Kein Ort - sondern eine Idee"

Veröffentlicht am 14.04.2019 in Europa

von links: Kirsten Reiter, Irmgard Herzog-Deutscher, Maximilian Ditmer

SPD Veranstaltung zur Europa-Wahl „Europa – Geschichte einer Idee“

Vortrag von der Historikerin Irmgard Herzog-Deutscher

Schlusswort Maximilian Ditmer, SPD Kandidat für die Europawahl

Im Vorfeld der am 26. Mai stattfindenden Europawahlen lud die SPD-Langquaid zu einem Vortrag der Historikerin Irmgard Herzog-Deutscher in den Gasthof Huberbräu ein. Als besondere Gäste begrüßte die SPD Ortsvorsitzende Kirsten Reiter den SPD Europa-Wahl Kandidaten Maximilian Ditmer und die ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete Johanna Werner-Mugendorfer.

„In einer Zeit, in der einige europäische Staaten auf Abschottung und Nationalismus setzen und eine gemeinsame Stimme Europas immer schwieriger zu erreichen scheint, wollen wir mit dem historischen Rückblick das Bewusstsein für den europäischen Gedanken stärken“, so Kirsten Reiter in ihrer Begrüßung.

„Angesichts einer verbreiteten Europa-Skepsis wird der europäische Gedanken oft geringgeschätzt. Das Bewusstsein dafür, dass wir dem geeinten Europa über 70 Jahre Frieden verdanken und nur als europäische Gemeinschaft die Probleme der Zukunft meistern können, scheint zu schwinden“.

Einleitend verwies Irmgard Herzog-Deutscher darauf, dass sich der Begriff „Europa“ nicht in der geographischen Definition erschöpfe. Eine geographische Definition Europas sei immer willkürlich, da „Europa“ sich insbesondere auf historische, kulturelle, politische, wirtschaftliche und ideelle Aspekte beziehe. Europa sei, zitierte die Referentin den Journalisten und Publizisten Bernard-Henri Lévy, nun mal „kein Ort, sondern eine Idee“.

Woher kommt das Wort?

Die wortgeschichtliche Herkunft sei unklar. Weit verbreitet sei aber die Sage aus der griechischen Mythologie über die Entführung Europas, der Tochter des phönizischen Königs Agenor. Zeus entführte sie in der Gestalt eines Stieres auf die Insel Kreta. Die Minoische Kultur Kretas und die Griechische Kultur könne man als Ausgangspunkt der europäischen Kultur betrachten. Daher werde oft die auf dem Stier reitende Europa als Symbol für den Erdteil Europa verwendet.

Einfluss der Griechen und Römer

Auch wenn der Begriff „Europas“ damals noch keine Rolle spielte, prägten das antike Griechenland und das Römische Reich die Entwicklung der europäischen Zivilisation maßgeblich. Die Freiheit der Rede, Gleichheit vor dem Gesetz und die Geltung des Rechts seien für die Entwicklung der Demokratie wesentliche Faktoren gewesen.

Europa im Mittelalter

Einen großen Einfluss hatte auch Karl der Große, der über das gesamte Mittelalter als idealer Kaiser, als kraftvoller Herrscher und Förderer des christlichen Glaubens galt und als „Vater Europas“ bezeichnet wurde. Missionare verbreiteten das Christentum seit dem Frühmittelalter über Nord- und Osteuropa, so dass ganz Europa im Spätmittelalter christlich wurde.

Als „Kulturschock“ bezeichnete die Historikerin die Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 durch die Osmanen und deren Expansion Richtung Westen. Der Sieg des islamischen Osmanischen Reichs wurde als Bedrohung der eigenen Kultur angesehen und löste eine vielstimmige Diskussion aus, die auch das christliche Selbstverständnis berührte.

Schon bevor er Papst wurde, beschwor Pius II. als kaiserlicher Kommissar in einer dreistündigen Rede, eine Art europäische Armee aufzubauen und führte erstmals wieder den Begriff „Europa“ ein, wobei er auch die Bezeichnungen Christenheit und „Vaterland“ verwendete.

Die Verwüstung nach dem Dreißigjährigen Krieg und Entvölkerung ganzer Landstriche führt vor Augen, wie wichtig zwischenstaatliche Regelungen waren.

Revolution und Europa

Tiefgreifende macht- und gesellschaftspolitische Veränderungen in ganz Europa wurden durch die Französische Revolution im 18. Jahrhundert hervorgerufen. Die Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung als Ziele der Französischen Revolution beeinflussten das moderne Demokratieverständnis entscheidend.

Als Umbruch vom alten zum neuen Europa bezeichnete die Historikerin die Zeit nach der Niederlage Napoleons um den Wiener Kongress in den Jahren 1814/15. Ziel war, dem zerrütteten Kontinent eine neue Ordnung zu geben, zukünftige zwischenstaatliche Gewalt zu vermeiden und mögliche Konflikte diplomatisch zu lösen.

Die verordnete Ruhe in Europa blieb langfristig jedoch nicht haltbar, da sie im Grunde eine Rückbesinnung auf die Zustände vor Napoleon und vor der Französischen Revolution war. Ende des 19. Jahrhunderts kam es zum Nationalkonflikt im Deutsch-Französischem Krieg, gefolgt vom ersten und zweiten Weltkrieg.

Europa nimmt Formen an

Nach dem zweiten Weltkrieg gab es verschiedene Vorstellungen bezüglich Europa, die durch den beginnenden Kalten Krieg und der Angst vor einem wiedererstarktem Deutschland geprägt waren. Winston Churchill erkannte laut Irmgard Herzog-Deutscher schnell, dass eine Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland die Grundlage für ein geeintes Europa sei.

Der Weg führte weiter zu einer Europäischen Union mit derzeit 28 Mitgliedsstaaten. Die Gründung hatte zum Ziel, den zahlreichen blutigen Kriegen zwischen den Nachbarländern, die im Zweiten Weltkrieg mündeten, ein Ende zu setzen.

Vordenker für Europa

Für die Historikerin waren Konrad Adenauer (erster deutscher Kanzler), Winston Churchill (britischer Premierminister), Robert Schuman (französischer Außenminister), Alcide de Gasperi (italienischer Premierminister und Außenminister) und Jean Monnet (französischer Politik- und Wirtschaftsberater) wichtige Pioniere und Vordenker. „Deren Ideale waren ein friedliches, geeintes und wirtschaftlich erfolgreiches Europa. Ohne ihre Energie und Entschlossenheit hätten wir nicht den Frieden und die Stabilität in Europa, die wir heute für selbstverständlich halten“, schloss Herzog-Deutscher ihren Vortrag.

Brückenschlag ins Heute

An den Historischen Vortrag zur Idee Europas schloss sich Maximilian Ditmer, der Direktkandidat der SPD für das Europaparlament mit seinem Statement an. „70 Jahre Frieden, die habe es in der Geschichte Europas vorher nie gegeben, das sei die Leistung der europäischen Einigung, das dürfe man nie vergessen. Zu leicht halte man das für selbstverständlich, was es aber nicht sei. Die gemeinsamen Werte Europas könne man auch nur gemeinsam verteidigen und ausbauen. Als Kernpunkt seines Europa-Engagements sah Ditmer die Schaffung gleichwertiger sozialer Standards und sozialer Gerechtigkeit in der Gemeinschaft, um so den Menschen Sicherheit zu geben. Dann würden auch den Nationalisten und Populisten die Angriffspunkte für ihre Propaganda fehlen. Nur ein starkes und  einiges Europa mit starken Institutionen könne diese Sicherheit bieten.

 

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