Flüchtlinge und Asylbewerber in Langquaid – ein Blick auf die Arbeit vor Ort

Arbeitsgemeinschaften

Gesprächsrunder der Sozialdemokratinnen mit Projektmanagerin Brigitte Kempny-Graf

Langquaid; „Die Betreuung und Integration der Flüchtlinge und Asylbewerber ist eine Riesenaufgabe“, damit fasste Brigitte Kempny-Graf ihr momentanes Schwerpunktthema als Projektmanagerin Soziale Stadt und Mehrgenerationenhaus treffend zusammen. Und sie betont, „dass es ohne ein so gutes Helferteam an Ehrenamtlichen wie 3. Bürgermeisterin Margret Wermuth und den Frauen und Männern der Nachbarschaftshilfe, wohl auch nicht gehen würde. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten vor Ort sei hervorragend.“

Die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen wandte sich mit der Bitte um Informationen zum Stand der Flüchtlings- und Asylbewerber-Betreuung in Langquaid an Frau Kempny-Graf und bekam ein realistisches Bild von den Aufgaben und Problemen der Arbeit vor Ort. „Ziel des Gesprächs für die ASF-Frauen sei es, einerseits die Möglichkeiten der Unterstützung auszuloten und andererseits mit der Kenntnis der Fakten den negativen Äußerungen in Gesprächen entgegentreten zu können“, so die ASF-Vorsitzende Anke Veit.

Kempny-Graf gab an, dass in Langquaid zum Zeitpunkt des Gesprächs 35 Erwachsene und 5 Babys untergebracht sind. Im November sollen noch einmal Menschen dazukommen, dann sind etwa 50 Personen in Langquaid. Die Gruppe der syrischen Flüchtlinge erhielten, aufgrund des Krieges in ihrer Heimat, relativ schnell eine Anerkennung. Anders bei den sonstigen Asylbewerbern, insbesondere der westafrikanischen Länder. Hier ziehen sich die Verfahren seit Monaten und die in der Presse immer wieder angegebenen Zeiten von 3-6 Monaten Bearbeitungszeit konnte Kempny-Graf nicht bestätigen.

Vielfältige Aufgaben

„Fast alle der bei uns untergebrachten Menschen kommen mit Fragen und Anliegen zu uns ins Büro Soziale Stadt“, schilderte die Projektmanagerin die Vielfalt der Aufgaben des kleinen Teilzeit-Teams. Insbesondere die Koordination und Begleitung bei Behörden- oder Arztfahrten, bei der Arbeitssuche, das Übersetzen von Briefen aller Art, oder die Organisation des Alltags in den Unterkünften seien gefragt. Ganz besonders aufwändig werde die Bürokratie, wenn die Flüchtlinge anerkannt werden. Da ist alles neu zu beantragen. „Wir versuchen, für alles die passende Hilfe zu vermitteln, entweder über die Nachbarschaftshilfe oder Fachstellen. Manches können wir auch gleich selbst lösen. Zudem werden hier gemeinsame Veranstaltungen oder Helfertreffen organisiert.“ Auch viele Hilfswillige wenden sich an das Büro.

„Wir alle vor Ort wurden in die Aufgabe vollkommen unvorbereitet hineingeworfen. Zu Anfang wussten wir nicht, welchen Umfang sie annehmen würde. Jetzt sind wir teilweise schon rein zeitlich überfordert, zumal unsere angestammten Aufgaben nicht zu kurz kommen dürfen. Viele der ehrenamtlichen Helfer sind ebenfalls berufstätig und häufig schon in anderen Bereichen ehrenamtlich aktiv“, schildert Kempny-Graf die Situation der Helfer. Und sie sagt auch ganz klar, dass die Anzahl der Flüchtlinge, die vor-Ort betreut werden müsse, entscheidend für den Erfolg der Integration und Akzeptanz sei.

„Außerdem ist das Erlernen der deutschen Sprache äußerst wichtig“, so Frau Kempny-Graf. In Langquaid laufen zurzeit viermal pro Woche ehrenamtlich durchgeführte Sprachkurse. “Die Teilnehmer sind unterschiedlich motiviert und je nach Bildungsstand und Vorkenntnisse geht das Lernen leichter oder schwerer“, weiß sie zu berichten. Für die Kinder sieht sie die größten Integrationschancen, wenn sie früh in Krippe oder Kindergarten kommen und dort die Sprache und die Wertvorstellungen unseres Landes lernen.

Anliegen der Helfer

Von den ASF-Frauen gefragt nach ihren Anliegen antwortet die engagierte Projektleiterin: „wir brauchen eine gute und gerechte Verteilung der Menschen, auf Landes-, Bundes und europäischer Ebene. Außerdem muss die Betreuung auf kommunaler Ebene mehr Unterstützung erhalten und die Asylsozial- und Flüchtlingsberatung, die für uns vor Ort eine große Hilfe ist, gestärkt werden. Regelmäßige Angebote im Freizeitbereich findet sie ebenfalls hilfreich, denn über diese Begegnungen bauen sich Vorurteile leichter ab. Und das Thema „Mobilität“ und öffentlicher Personennahverkehr ist auch so ein Knackpunkt hier auf dem Land. Ein Ausbau würde allen Menschen, vor allem auch den Senioren in unserer Heimat, zugutekommen.“

Aufforderung der Sozialdemokratinnen

Die Sozialdemokratinnen versprachen, die Anliegen weiterzuleiten und zu unterstützen. Allerdings hatten die Frauen auch ihrerseits das Anliegen an die Politik, dass diese nicht, in der Hoffnung auf Wählerstimmen, die Ängste schüre, sondern für Toleranz und Menschlichkeit werbe. „Es müssen Fehler beim Krisenmanagement auf allen politischen Ebenen korrigiert werden, die Politik muss Handlungsfähigkeit zeigen und das „wir schaffen das“  muss mit allen Mitteln und ohne Abschottungsparolen zum Wunschziel werden“, so die SPD-Frauen.

 
 

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