SPD besucht Türkischen Kulturverein in Langquaid

AntiFa/Migration

Im Gebetsraum wird auch ein Blick in den Koran geworfen

Unter dem Motto "Zusammen in Deutschland" luden der Türkische Kulturverein und die SPD-Langquaid zu einem Besuch im türkischen Kulturtreff ein. Anlass war der 50. Jahrestag des Anwerbeabkommens zwischen Deutschland und der Türkei, der am 31. Oktober begangen wurde und ein Interview mit einem Zeitzeugen.

Begrüßt wurden die Gäste von Yahya Kilic, dem zweiten Vorsitzenden der Langquaider Gruppe des Vereins DITIB, im ehemaligen Lebensmittelladen Sixt in der Rottenburger Straße. Der seit 1984 anerkannte Verein "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion" sei laut Kilic die mitgliederstärkste Migrantenorganisation in Deutschland. Ziele des Vereins seien unter anderem die religiöse Betreuung, Aufklärung und Unterweisung der in Deutschland lebenden türkischen Muslime und die Einrichtung und der Unterhalt von Gebets- und Unterrichtsstätten. Außerdem sollen soziale und kulturelle Veranstaltungen gefördert und Sprachkurse abgehalten werden. "Wir planen zum Beispiel für interessierte Langquaider gemeinsame Kochkurse anzubieten, um den kulturellen Austausch zu fördern", so Kilic.

Im Jahr 1970 gab es gerade einmal 5 türkische Familien in Langquaid, so Kilic. Aktuell leben 25 Familien in der Gemeinde und fühlen sich wohl. "Wir haben das Haus angemietet und mit eigenen Mitteln umgestaltet", stellte Yahya Kilic die Räumlichkeiten vor. Es gibt einen Sozialraum, in dem man zusammen Kaffee und Tee trinken kann, einen Raum mit Tischtennisplatte und Kicker für Jugendliche und einen Gebetsraum. Diesem galt auch das besondere Interesse der Besucher.

Der mit Teppichen ausgelegt Raum kommt ohne schmückendes Beiwerk aus. Es gibt nur ein paar Bilder der Kaaba in Mekka und eine nach Osten ausgerichtete Gebetsnische, der Mihrab, für den Vorbeter. Die Funktion des Imam nimmt derzeit Yusuf Berkmann war. Er ist studierter Koranlehrer und für zwei Jahre in Deutschland, um Kindern den Koran näher zu bringen und den Verein religiös zu betreuen.

Im Anschluss an die Besichtigung gab es ein kleines Buffet mit türkischen Gerichten und Tee im Gemeinschaftsraum. SPD-Ortsvorsitzende Kirsten Reiter bedankte sich für den freundlichen Empfang und die Bewirtung. "Die Einwanderung vieler Menschen aus der Türkei und anderen Ländern hat unser Land in den letzten Jahrzehnten entscheidend geprägt", so Reiter. Wir haben von den neuen Mitbürgern nicht nur während des "Wirtschaftswunders" wirtschaftlich sondern auch in den folgenden Jahrzehnten kulturell profitiert. Eine Vielfalt sei eingezogen, die Deutschland, bei allen Schwierigkeiten, die es ohne Zweifel noch immer gibt, weltoffener und bunter gemacht habe.

Nach dem gemeinsamen Essen erzählte der Vater von Yahya Kilic, der 65jährige Rentner Yasar Kilic, über seine Einreise als Gastarbeiter. In seiner türkischen Gemeinde wurden Arbeiter für Deutschland gesucht. Da er nicht in der Landwirtschaft seiner Tante arbeiten wollte, ging er 1969 als knapp 23jähriger Mann als Bauhelfer nach Iserlohn. "Da wurden wir mit Blasmusik empfangen", erinnerte sich Yasar Kilic. 1971 zog er dann nach Kelheim und arbeitete bis zu seiner Rente bei der ehemaligen Firma Höchst. Deutschkurse gab es damals nicht. Mann musste sich die neue Sprache selber und mit Hilfe der deutschen Kollegen beibringen. 1973 zog dann seine Frau mit der 6jährigen Tochter nach. "Ob es Zeiten gab, in denen er das Gefühl hatte, nicht erwünscht zu sein?", fragte eine Besucherin nach. "Nein, eigentlich nicht", kam nach kurzem Überlegen die Antwort. Man merkte zwar ab Mitte der 70er Jahre, dass das Klima etwas weniger freundlich wurde, er habe aber immer guten Kontakt zu Deutschen gehabt. Und beim Kartenspiel, seiner großen Leidenschaft, meinte Yasar Kilic schmunzelnd, komme man sich halt schnell näher.

Nach der gelungenen Veranstaltung war man sich einig, den kulturellen Austausch in Langquaid in Zukunft zu intensivieren.

 
 

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