Die Idee ging vom SPD-Arbeitskreis Labertal aus. Die SPD-Markträte aus Schierling und Langquaid haben ihre Anträge zur Realisierung des Pilgerwegs in ihren jeweiligen Gemeinden abgegeben. Jetzt trafen sich alle Interessierten zu einer Infoveranstaltung. Und das Interesse am neuen Pilgerweg war groß.
Von Abensberg bis Geiselhöring waren Vertreter der Gemeinden und Städte zu dem Vortrag der Leiterin der Landvolkshochschule Niederalteich, Frau Helga Grömer, gekommen, um Näheres über „VIA NOVA –Der Europäische Pilgerweg ins 21. Jahrhundert“ zu erfahren. Wer dabei allerdings ausschließlich auf die touristischen Aspekte spekulierte, dürfte etwas enttäuscht geworden sein. Denn die VIA-NOVA-Beauftragte für Bayern stellte im ersten Teil vor allem die spirituelle Seite der Pilgerschaft auf diesem Weg vor, der in Sankt Wolfgang in Oberösterreich beginnt und bisher auf dem Bogenberg endet. Ein anderer Pilgerweg-Ast führt von Vilshofen„VIA NOVA –Der Europäische Pilgerweg ins 21. Jahrhundert,“ aus bis nach Pribram in Tschechien. Am 5. Juni wird ein neuer VIA-NOVA-Abschnitt eröffnet. Er führt vom Bogenberg über Sossau und Straubing bis Geiselhöring und endet vorerst in Mallersdorf. Von dort aus ist ein neuer Abschnitt über Schierling, Langquaid, Rohr bis Abensberg bzw. Weltenburg ins Auge gefasst, erläuterte Frau Grömer. Zu Beginn hatte der Sprecher des SPD-Arbeitskreises Labertal, Rainer Pasta, betont, dass die Konzeption des Pilgerweges nur Hand in Hand mit den Gemeinden gelingen könne.
Helga Grömer stellte zuerst die spirituelle Entstehungsgeschichte dieses Europäischen Pilgerweges vor, der anders als die großen Pilgerrouten wie der Jakobsweg praktisch vor der Haustüre beginne. Pilgern sei nicht nur ein Trend, sondern gehe noch tiefer und besitze religiöse Wurzeln und beginne tief im Wesen des Menschen. Es gehe gerade in der heutigen Zeit darum, die geistige Zukunft zu sichern und die geistige Substanz in den Menschen zu stärken. Insofern sei VIA NOVA eine spirituelle Wegweisung in das 21. Jahrhundert. „Pilgern heute heißt, die eigene Komfortzone zu verlassen, raus aus dem Hamsterrad, und einfach gehen“, so Frau Grömer. „Der Weg entsteht im Gehen“. Das Gehen spreche alle Sinne des Menschen an. Ihre Ausführungen dazu könnte man mit einem Satz aus Antoine’ Saint-Exypery‘s „Kleinen Prinzen“ zusammenfassen: „Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ Ist der geographische Ausgangspunkt des „neuen Weges“ = VIA NOVA in Sankt Wolfgang am Wolfgangssee zu finden, so ist die spirituelle und theologische Wurzel dieses Namens in der Apostelgeschichte zu finden, informierte die Referentin weiter. Die ersten Christen, hätten nämlich in der Nachfolge ihres Meisters Jesus ihre Gemeinschaft als „via nova“, als „neuen Weg“ bezeichnet. Abschließend informierte Frau Grömer über die organisatorischen Voraussetzungen für den VIA-NOVA-Pilgerweg von der Wegweisung bis zu den Möglichkeiten für Speis und Trank unterwegs und Übernachtungen, die „stillen Örtchen“ nicht zu vergessen. Nähere Informationen gibt es auf der Homepage des VIA-NOVA-Vereins www.pilgerweg-vianova.eu.
In der langen Aussprache bestätigte Hartmut Gust das große Interesse im Salzburger Seenland an diesem Pilgerweg, durch den die Gemeinden sehr gewonnen hätten. Auf eine entsprechende Frage betonte Frau Grömer, dass vor allem Wald-, Wiesen- und Feldwege das Rückgrat des Pilgerweges darstellten, weniger die Straßen wegen des Autoverkehrs und der Strapazierung der Beine auf dem Asphalt. Der politische Gastgeber, Langquaid’s 1. Bürgermeister Herbert Blascheck zeigte mit seiner starken Marktratsdelegation großes Interesse an diesem Pilgerweg-Projekt, ebenso der Schierlinger 2.Bürgermeister Werner Braun. Dass aber auch ein solcher Pilgerweg seine Stolpersteine hat und mancher Kirchturm-Blick leicht Gefahr läuft, aus dem Weg einen Irrweg zu machen, zeigte sich dann in der Frage von Aufhausen. Die Gemeinde hatte als eine der ersten im Labertal vor knapp zwei Jahren beschlossen, dem VIA-NOVA-Projekt beizutreten. Jetzt bei der Veranstaltung erfuhr 1. Bürgermeister Hans Jurgovsky auf Nachfrage des Aufhausener Gemeinderates Karlheinz Maß von Frau Grömer, dass nicht Aufhausen Station des VIA-NOVA-Weges werden solle, sondern Mallersdorf den Vorzug erhalten habe. Dass in diesem Falle „die letzten“, die auf den Zug aufgesprungen waren, nämlich Mallersdorf-Pfaffenberg, jetzt „die ersten“ sind und Aufhausen, das Wallfahrtszentrum an der Großen Laber, abgehängt werden solle, wollte den wenigsten der Anwesenden einleuchten. Das letzte Wort dürfte hier noch nicht gefallen sein. „Einfach gehen“, so das Schlusswort der Referentin, sollte auch hier gelten, ebenso der Grundsatz für alle Wege: „Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist der Umweg.“
Text: Martin Auer